Gespräche über das Team „Kinder-Trainer-Eltern“

 

Oke Staats 2

Zwei Generationen, zwei Meinungen? Wir wollten es wissen und fragten unseren langjährigen Verbandstrainer Herby Horst (r.) und unseren Jüngstentrainer Oke Staats, was sie von Eltern am Spielfeldrand erwarten, wie sie sich bei Turnieren verhalten und welchen Kontakt Trainer und Tenniskind-Eltern haben sollten. Die Antworten gaben sie unabhängig voneinander.

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage: Dürfen Eltern beim Training am Spielfeldrand stehen und zuschauen?

 

Oke: Ganz so pauschal kann man das nicht mit Ja oder Nein beantworten. Als Trainer habe ich damit kein Problem, wenn man mir bei der Arbeit ‚über die Schulter‘ schaut. Ich stelle aber manchmal fest, dass sich die Kids von den Eltern beobachtet fühlen und dann versuchen sie, besonders gut zu spielen. Das funktioniert meist aber nicht und führt eher zu Fehlern. Andererseits sind wir Trainer oft auch Vertrauenspersonen für die Kids. Gerade wenn man sich fast täglich auf dem Platz sieht. Ich kann bei allen meinen Schülern innerhalb weniger Augenblicke sehen, wie er oder sie gelaunt sind. In der Pubertät kommen die Kids und Jugendlichen manchmal genervt zum Training, weil es im Auto Streit mit den Eltern gegeben hat. Dann ist es gut, wenn die Schüler und Schülerinnen beim Training nicht noch unter Beobachtung stehen, sondern sich eventuell beim Trainer mal über die Eltern ‚aussprechen‘ können.

Ich kann aber auch verstehen, dass Eltern gerne beim Training zusehen. Meist nehmen sie weite Fahrten auf sich, um ihre Kinder zum Training zu bringen. Ich denke, dass man die letzten 20 Minuten ruhig zuschauen kann.

 

Herby: Ja schon, nur dauerhaft ist dies nicht vom Vorteil. Alle Eltern sollten mitbekommen, dass es den Jugendlichen und Kindern bei uns gut geht. Ich bin aber der Meinung, dass die Jugendlichen selbstständig agieren sollten und wollen. Und ist es auch, nebenbei gesagt, so, dass sich die Kinder ohne Eltern häufig besser konzentrieren. Daher: Die Eltern können anfangs gerne ein wenig zuschauen, sollten dann aber gehen und kurz vor Trainingsschluss wiederkommen. Dies machen auch die meisten Eltern so!

Frage: Sollten Eltern beispielsweise beim Einsammeln der Bälle helfen?

 

Oke: Auf gar keinen Fall. Die Kids und Jugendlichen sollen lernen selbstständig zu werden. Zum Tennis gehören eben nicht nur Bälle zu schlagen, sondern auch das Einsammeln, das Abziehen und die eigene Tasche zu tragen, zu packen. Diese Dinge können in jedem Alter eigenständig von den Kids gemacht werden.

Herby: Auf gar keinen Fall! Das Training ist für die Jugendlichen, es ist ihr Platz, sie haben ihn zu pflegen und zu verantworten. Schlägertaschen bitte ebenfalls nicht tragen! Je früher die Kinder lernen, die Taschen selbst zu packen, alles selbst zu verantworten, umso früher übernehmen sie Verantwortung für das, was auf dem Platz passiert. Die Jugendlichen können auch gerne früh lernen, die Schläger selbst zu bespannen.    

Frage: Findest Du es wichtig, die Eltern Deiner Schüler zu kennen?

 

Oke: Ich würde nicht sagen, dass es 100% notwendig ist. Aber es hilft in jedem Fall. Gerade im Leistungssport sehe ich es so, dass es ein Team gibt, welches aus dem Schüler oder der Schülerin, dem Trainer und den Eltern besteht. Um im Team erfolgreich arbeiten zu können, ist es wichtig, dass man miteinander kommuniziert. Oft hilft es auch, die Kinder besser einzuschätzen beziehungsweise kennenzulernen, wenn man die Eltern kennt, da die Kids manche Eigenschaften oder Denkweisen bewusst oder unbewusst übernehmen.

Herby: Absolut! Grundsätzlich sehe ich es so, dass Trainer und Eltern ein Team bilden müssen. Das Stichwort lautet Vertrauen und das besteht nur da, wo gut kommuniziert wird. Je besser das alles geschieht, je klarer die verschiedensten Aufgaben geklärt sind – zum Beispiel wie viel ‚Trainer‘ sind Vater und Mutter oder überlassen sie das gänzlich dem Trainer – umso weniger Stress kommt in das Gebilde hinein und umso größer sind die Chancen, dass erfolgreich gearbeitet wird.

Frage: Wie häufig sollte eine Kommunikation mit Eltern stattfinden?

 

Oke: Das hängt ganz davon ab, wie intensiv beziehungsweise in welchem Umfang man miteinander arbeitet. Im Leistungssport würde ich sagen, dass wöchentliche Kommunikation angebracht ist, allein um die Trainingseinheiten, Tennis, Athletik, Physio & Regeneration, für die Woche zu terminieren. Im Breitensport reicht es eventuell sogar, wenn man vor Saisonbeginn nur die Trainingszeiten für den Winter oder Sommer festlegt.

Herby: Wenn sie zielführend ist – je nach Situation und Phase. Es kann mehrfach innerhalb von einer Woche sein, oder erst nach drei, vier Wochen. Wichtig ist, dass die Kommunikation nicht zur Einbahnstraße wird. Wichtige Dinge, die auch nichts mit Tennis zu tun haben, aber Tennis beeinflussen könnten, zum Beispiel. Schulnoten usw., sollten auch besprochen werden. 

Frage: Ist es gut, wenn Eltern bei Verbandsspielen ihrer Kinder auf der Bank sitzen?

 

Oke: Nein. Egal, auf welchem Niveau die Kinder sind und in welchem Alter. Sie lernen so selbstständig zu werden und sich selbst zu helfen. Ich finde es gut, wenn die Kids bei Problemen, beispielsweise bei strittigen Entscheidungen oder Rückhandproblemen, selbst eine Lösung finden und diese nicht von Außenstehenden vorgegeben bekommen. In einem Match durchlebt man oft eine Achterbahnfahrt der Emotionen – Freude, Angst, Stress. Auch da müssen die Kids selbst durch. So wird es eines Tages im Leben sowieso sein.

Herby: Ich halte es für sehr wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen. Ein ständiges „coaching“ unterdrückt Eigeninitiativen und selbstständiges Handeln. Tennisspieler müssen möglichst früh lernen, wichtige Entscheidungen auf dem Platz zu treffen: Cross passieren, oder doch ein Lob spielen. Dies lernen sie am besten über die Erfahrung. Also, liebe Eltern: Nicht auf der Bank sitzen, außer wenn es ausdrücklich gewünscht wird und dann nicht dauerhaft. 

Frage: Wie können Eltern den Trainer unterstützen, wenn es um die Aufarbeitungen von Matches geht?

 

Oke: Grundsätzlich versuche ich als Trainer regelmäßig bei Turniermatches oder Punktspielen dabei zu sein. Das geht natürlich nicht immer. Wenn ich als Trainer nicht dabei sein kann, dann hilft es, wenn man eventuell ein paar Statistiken bekommt. In erster Linie höre ich aber immer erst, was meine Schülerinnen und Schüler über das Match zu erzählen haben.

Vorhin habe ich das Team Spieler – Trainer – Eltern angesprochen. Das funktioniert am besten, wenn die drei Akteure ihren eigenen Job machen. Eltern sollen ‚nur‘ Eltern sein. Machen die Eltern jedoch nach einem Match mit ihrem Kind eine Art Matchanalyse, verlassen die Eltern ihr Aufgabengebiet und rutschen in die Rolle des Trainers. Das führt sehr oft zu Problemen.

Herby: In der Regel sehen die Eltern mehr Matches von ihren Kindern als der Trainer. Hier geht es wiederum um die Qualität in der Kommunikation. Wenn den Eltern im Match etwas auffällt, ist jeder Trainer für Tipps und Informationen über das Match dankbar, so kann er die Infos im Training verarbeiten.

Frage: Wie sollten sich Eltern während eines Matches ihres Kindes Verhalten?

 

Oke: Im Idealfall verhalten sich die Eltern komplett ruhig und sind vielleicht nicht in unmittelbarer Nähe zum Platz. Eine andere Option könnte sein, dass Eltern immer versuchen, eine Art Gegenpol zum emotionalen Empfinden ihres Kindes zu sein. Freut sich das Kind sehr, weil es gerade sehr gut läuft, können die Eltern schauen, dass es nicht ‚abhebt‘. Läuft es nicht so gut, das Kind liegt zurück und ist dementsprechend traurig, können die Eltern Mut machen.

Herby: Ruhig und besonnen.  


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