Die etwas andere Tennisgeschichte in Corona-Zeiten

Schläger Ball weiß

Die Musik stelle ich leiser. Manchmal ist der Anschlag aufs Klavier doch etwas hart und es wird dann zu laut. Zu Gehör kommt das Klaviertrio Nr. 7 in B-Dur (op 97) von meinem Namensvetter Ludwig van Beethoven. Meine Eltern liebten Beethoven und Bach. Vater liebte den Ludwig, Mutter den Johann. Deshalb heiße ich Ludwig Johann.

Seit Anfang November lauscht der Ludwig dem Ludwig. Corona-Zeit ist. Es herrscht quasi Ausgehverbot. 40 Abende kann ich das durchhalten. 40 Beethoven-CDs stehen im Regal. Schlag auf Schlag geht das also, wie beim Tennis. Und wenn man genau hinhört, kann ein harter Anschlag aufs Klavier wie ein Schmetterball wirken. Doch nicht der Schmetterball bringt mich zurück in die Vergangenheit, sondern ein mehrfach wiederkehrender Ton. Er hört sich ein wenig nach Plopp, Plopp an. Und dadurch ist bei mir wohl etwas aus dem Unterbewussten ins Vorbewusste und dann ins Bewusste gedrungen: Tennis in der Kindheit!

Jetzt nur mal zwischendurch: Während Ludwig auf den Tasten tanzt, lese ich. Im Moment heißt das Buch „Tennis“ von Dieter Hildebrandt. Der Hildebrandt, kein Unbekannter, lässt einen Spieler zum Gegner sagen: Audiatur et altera pars. Zu Deutsch: Es geht dich einen Dreck an, wo ich deine Bälle aufspringen sehe.“ Den Satz merke ich mir.

Doch zurück zu meiner Kindheit. Ich war wohl vier oder fünf Jahre jung. Mehrfach im Jahr besuchten wir meine Tante Peppi und den Onkel Hans zur Kaffeetafel. Ich rannte, nach einem ordentlichen Diener zu Begrüßung, immer gleich zum Küchenfenster, schaute hinaus und sah einen Tennisplatz. Dort spielten Damen oder Herren, ganz in weiß, was mich auch an Roy Black erinnern lässt, mit einem weißen Ball auf roter Asche. Und es machte immer Plopp, Plopp! Faszinierend war das: Plopp, Plopp!

Jetzt nur mal zwischendurch: Worin liegt der besondere Zauber des weißen Sports? Tennis ist ein Duell auf Distanz. Insofern gleicht es, auf anderer Ebene, der Forderung auf Pistolen. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass man sich nicht abmüht, dahin zu schießen, wo der Gegner steht, sondern möglichst dorthin, wo er nicht steht. So hat es einst Erich Kästner, ebenfalls kein Unbekannter, formuliert.

Doch zurück zu meiner Kindheit. Das Plopp, Plopp hat mich tief beeindruckt. Und es saß wohl so tief, dass ich 24 Jahre später, wie von Zauberhand geführt, zum Tennisspiel kam. Als Kind musste ich mich aber zunächst mit dem Zelluloidball zufrieden geben. Na ja, bei der Ehrung zum Vizestadtmeister erklang, weit weg vom Meer, das Bergische Heimatlied. Auch nicht schlecht. Aber heute weiß ich: Ich, der Ludwig, wollte immer nur eins: Tennis spielen.

Jetzt nur mal zwischendurch: Ich habe festgestellt, immer weniger sagen zum Tennispartner: Wir spielen auf Platz 3 oder 4. Kann ich verstehen. Platz ist ja ein Fachbegriff aus der Hundesprache. Daher sagen mittlerweile immer mehr: Lass uns auf Tenniscourt (sprich cöhrt) drei gehen. Und bei uns im Club schlagen die Meister möglichst auf dem ssäntre cöhrt auf.

Doch zurück – jetzt in die Zukunft: Morgen, dies habe ich mir heute vorgenommen, höre ich mir endlich die Neunte vom Ludwig an.

Freude, schöner Götterfunken,

wir betreten trunken,

unser Heiligtum

Dein Zauber bindet uns wieder

Was Corona streng geteilt

Alle Menschen werden Brüder

Wo das sanfte Plopp, Plopp weilt

 

 

Schrieb der Schiller, Friedrich - oder so ähnlich.

Also dann: Bis zum nächsten Aufschlag

Euer Ludwig (Johann)


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